Die Unterschiede im Berufsalltag eines Privatjet und Airline Piloten

Die Unterschiede im Berufsalltag eines Privatjet und Airline Piloten
08/10/2017 pilotpatrick
A working day of a private jet versus an airline pilot

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Hallo mein Aviator, vor einem Jahr bekam ich das Angebot für eine andere Firma zu fliegen. Den Arbeitgeber zu wechseln und für eine neue Firma zu fliegen, bedeutete nicht nur ein neues Flugzeug Modell fliegen, sondern auch eine ganz andere „Operations“ kennen zu lernen. Meine Luftfahrt Karriere als „First Officer“ hat auf einem Business Jet Citation XLS begonnen. Jetzt fliege ich das Großraumflugzeug A300. Den „initial line check“ habe ich vor drei Monaten bestanden und habe meine ersten 200 Flugstunden auf dem Airbus gesammelt. Wie ich finde, genau der richtige Zeitpunkt um den Berufsalltag eines Privatjet Piloten mit dem Alltag als Airline Piloten zu vergleichen. Finde heraus, was mein persönliches Fazit ist und ob mir eine der „Operations“ besser gefällt. 

pilot patrick cessna citation xls

Citation XLS + in Dublin

Mein Arbeitsweg

Private Jet

Als Privatjet Pilot konnte ich meine eigene „Home Base“ innerhalb von Europa selbst wählen. Es ist eher selten, dass die Flugzeuge auch mal zu ihrer „Base“ nach Deutschland zurückkehren. Für die Operations ist es daher besser, die AirCrew mit der Linie, dem Auto oder Zug zu dem aktuellen Aufenthaltsort des Flugzeuges zu schicken. Am häufigsten bin ich von den berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld nach Nizza, Paris oder London „proceeded“.

Airline Pilot

In der Regel beginnt und Endet mein Dienst auf dem A300 direkt in Berlin. In seltenen Fällen muss ich auf dem „Jumpseat“ bei einem anderen Flieger unserer Flotte mitfliegen. Dadurch habe ich weniger „Proceedings“ mit anderen Fluggesellschaften und kann jetzt leider weniger Meilen sammeln, wodurch ich bald meine Status als Lufthansa frequent traveler verliere. Anderseits, gehören die aufwendigen Proceedings nun der Vergangenheit an und ich spare mir viel Zeit.

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Croove – Der neue & persönliche „Carsharing“ Anbieter

Abwesenheit von der Home Base

Sowohl der Alltag als Privatjet Pilot, als auch der Berufsalltag bei der Airline, beinhaltet viel Abwesenheit von Zuhause. Aus diesem Grund habe ich beispielsweise vor vier Jahren beschlossen mir kein eigenes Auto zukaufen, da ich die meiste Zeit nicht zuhause bin um es zu nutzen. Ein Auto brauche ich meistens nur für den Weg zum Airport und zurück.

In so einem Fall nutze ich gerne eine der vielen Alternativen wie z.B die neue private Autovermietung namens  „Croove„. Das ist eine private „Carsharing“ Platform, auf welcher  die Vermieter Privatpersonen sind, von denen man die verschiedensten Auto Modelle ausleihen kann. Man selbst hat auch die Möglichkeit sein eigenes Auto dort zum profitablen Verleih bereitzustellen. Croove funktioniert super leicht via App auf dem eigenen Gerät. (Appstore / google play) Zudem ist man komplett versichert. Für mich ist der ganze Service angenehm. Ich spare mir das Taxi Geld und nutze ganz einfach den „Valet Service“, welcher das Auto bringt und abholt z.B. vom Flughafen.

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Croove – Übergabe des Fahrzeuges

Dienstplan/ Erreichbarkeit

Private Jet

Im Normalfall bekam ich den Plan für den nächsten Tag, an dem Abend bevor mein Dienst begann. Die Geschäftsfliegerei ist eine sehr unbeständige Branche, weshalb Planänderungen jederzeit stattfinden können – manchmal sogar stündlich. Das ist einer der Gründe, warum die Firma mich mit einem Diensthandy ausgestattet hat, damit ich 24 Stunden für sie erreichbar bin. Fliegen war nur ein kleiner Teil des Berufsalltages als Privatejet Pilot. Der Großteil der Arbeit bestand darin, sich um die Passagiere zu kümmern, Catering zu organisieren und den Transport sowie die Unterkunft für die Nacht zu buchen. Im Dienst mag ich es abwechslungsreich uns ich fand es spannend, nicht zu wissen wohin der nächste Flug geht. Ich erinnere mich genau daran, wie wir einmal in dem kalten, grauen Moskau saßen und ich sagte zu meinem Kollegen:“ Ein Flug nach Mallorca oder Ibiza wäre jetzt genau das Richtige!“ Zwei Stunden später erhielten wir den Anruf mit der Info, dass wir wirklich nach Mallorca und Ibiza fliegen würden. Ein lustiger Zufall!

gulfstream private jet
A working day of a private jet versus an airline pilot

Gut gelaunte AirCrew = happy landings = zufriedene VIP Passagiere

Airline

Bei der Airline erhalte ich meinen Dienstplan und eine festen Ablauf  einen Monat im voraus. Das ermöglicht es mir viel besser zu planen. Ich weiß somit schon lange Zeit vorher, welche Zielorte ich anfliege und kenne die exakte Ab-und Anflugszeit. Die Luftfahrt steht unter dem Einfluss vieler verschiedener Faktoren, darum sind auch bei der Airline Änderungen immer möglich. Ist das der Fall, so werde ich durch ein Update auf einer spezielle online Plattform informiert, oder bekomme ein Meldung per SMS auf mein Handy. Bei der Airline kann ich mich voll auf meine Aufgaben als Erster Offizier konzentrieren und muss mich nicht zusätzlich mit dem Gepäck der Passagiere, dass eingeladen werden muss, Catering, dass verstaut werden muss oder gar speziellen Passagier Wünschen beschäftigen.

a working day of a private versus an airline pilot

Online Check des Flugplanes

Flug Stunden / Dienstzeiten

Private Jet

In meiner gesamten Karriere als Privatjet Pilot habe ich wahrscheinlich mehr Zeit am Boden damit verbracht, auf Passagiere, den Tanker und das Catering zu warten, als dass ich in der Luft war um das Flugzeug zu fliegen. An einem typischen Arbeitstag in der Hochsaison Sommer, bin ich bis zu fünf Legs geflogen, zusammen mit langen Wartezeiten zwischen den einzelnen Flügen. Die Vor- und Nachbearbeitung eines Arbeitstages in der Geschäftsfliegerei sind sehr umfangreich. An einem hochfrequentierten Flughafen wie z.B Nizza in Frankreich mussten wir zwei Stunden vor Abflug am Flugzeug sein, um einen pünktlichen Abflug vorzubereiten. Nach dem letzten Flug des Tages musste das Flugzeug noch gereinigt und manchmal  schon für den nächsten Tag betankt werden. In den meisten Fällen war immer noch etwas von dem Vip Catering übrig, somit konnten wir nach dem letzen Flug ein kleines gemeinsames Essen in der Kabine genießen. In sechs Jahren als Privatjet Pilot bin ich insgesamt mehr als 2.000 Stunden geflogen.

Mehr über den Berufsalltag als Privatjet Pilot, erfährst Du in meiner Serie here

Pilot patrick in nice on the Cessna Citation XLS

Mein allererster Tag als „First Officer“ auf einem Privatjet

 Muster: Citation XLS

Airline 

Meldung zum Dienst ist für die Crew eine Stunde vor geplantem Abflug und momentan fliege ich ein Maximum von drei Sektoren pro Tag. Die Abflugzeiten sind hierbei sehr unterschiedlich. Ich musste mich erst daran gewöhnen, sehr früh am morgen und spät in der Nacht zu fliegen. In dieser Art der Operations, werde ich bis zu 450 Flugstunden pro Jahr sammeln. Das ist nicht gerade viel, wenn man es mit der Anzahl der Flugstunden eines Piloten vergleicht, der für eine Billigfluggesellschaft fliegt. Für die Tage im Dienst weiß ich den exakten Ablauf, kenne die Aufenthaltsorte für die Nächte im Voraus und die Wartezeiten zwischen den Flügen sind annehmbar. Im Vergleich zu den Wartezeiten als Privatjet Pilot, wo wir oft lange für unvorhersehbare Zeit gewartet haben, absolut ertragbar. Nach dem letzten Flug des Tages verlassen wir schon 15 Minuten später das Flugzeug.

A working day of a private jet versus an airline pilot

Unter dem Airbus A380

Aufenthalt/Hotels

Private Jet

Wenn wir am Morgen das Hotel verließen, war oft noch nicht klar wo wir am Abend landen würden. In manchen Fällen war es eine große Überraschung, in welcher Stadt wir dann schliefen. Wie schon erwähnt ist die Geschäftsfliegerei sehr unvorhersehbar, was der Grund dafür war, dass Hotels für die Nacht erst gebucht werden durften, wenn die Firma das „Go“ gab. Ich bin der „Master of Hotels“ und es war meistens meine Aufgabe eine angemessene Unterkunft für die Nacht zu finden. Einerseits gefiel es mir, dass wir die Hotels als Crew selber aussuchen durften. Anderseits wurde auch viel Zeit damit verschwendet ein verfügbares Hotel zu suchen und zu buchen. Als Privatjet Pilot bin ich die unterschiedlichsten Zielorte innerhalb Europas angeflogen und habe daher sehr viele verschiedene Flughäfen kennengelernt.

Airline pilot

Wie auch als Privatjet Pilot fliege ich bei der Airline hauptsächlich zu Zielorten innerhalb von Europa, jetzt allerdings nur zu bestimmten. Daher habe ich in meinen ersten 200 Stunden auch schon fast das gesamte Streckennetz kennengelernt. Die Hotels und Transporte werden von der Firma organisiert und gebucht.

pilot patrick barcelona

Aufenthalt in Barcelona- Spanien

Was bevorzuge ich und was gefällt mir besser?

Ich kann nur aus meinen ganz persönlichen Eindrücken und Erfahrungen berichten, die ich während der letzten Sieben Jahre meiner Aviation Karriere in beiden „Operations“ sammeln konnte. Das Gesamtbild könnte sich durch eine andere Airline nochmal komplett verändern.

Obwohl sich der Berufsalltag eines Privatjet und Airline Piloten von Grund auf unterscheiden, machen mir beide Operations viel Spaß.

Als Privatjet Pilot musste ich sehr viel Zeit mit Warten verbringen und die Dienstzeiten waren langatmig. Ein Airline Pilot sammelt mehr Flugstunden in weniger Dienststunden, weil alles insgesamt organisierter ist und man z.B. keine Zeit mit dem Organisieren von Catering, Hotels und Transporten verschwendet. Dennoch vermisse ich das VIP Catering und die Privaten Terminals- die Privaten Terminals haben immer sehr  bequeme Lounges, auch für uns, die Crew.

private jet pilot versus airline pilot

Privatjet Pilot oder Airline Pilot

Ein Punkt den ich an der Geschäftsfliegerei sehr gemocht habe, ist die Tatsache, dass ich sehr viele verschiedene Zielorte angeflogen bin und dadurch auch herausfordernde Flughäfen kennenlernen konnte. Auf der anderen Seite ist die Geschäftsfliegerei so launisch und daher ist es kaum möglich vorausschauend zu planen. Bei der Airline habe ich jetzt einen klaren Plan für meinen Dienst. Ich weiß wieviel „Rest“ ich habe und  kann meinen Aufenthalt jetzt wirklich planen z.B. mit Sightseeing machen oder einfach drauf los erkunden.

Meiner Meinung nach, ist die Geschäftsfliegerei eine gute Vorbereitung. Ich habe gelernt sehr selbständig zu arbeiten und mich gut zu organisieren um die vielen verschiedenen Aufgaben, die mehr als „nur“ fliegen beinhalteten zuverlässig zu erledigen. Ich denke aber, die Operations bei der Airline ist sehr viel entspannter. Hier kann ich mich voll und ganz auf das Fliegen und meine Aufgaben als Erster Offizier konzentrieren.

Wenn Du jetzt ein Pilot sein könntest für einen Tag, wärst Du lieber ein Privatjet Pilot oder doch auch bei der Airline?  Bitte schreib es mir unten in die Kommentare und vergiss nicht Dich mit deiner E-Mail Adresse für meinen Blog anzumelden, für gute News aus der Luft!

Happy landings!

Dein Pilot Patrick 

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Modellflugzeuge (@Modellflugzeuge)

Heute über Insta Deinen Blog kennengelernt. Kompliment, wirklich gut geschrieben, interessant im Inhalt und gut bebildert! Echt lesenswert. Sollte einmal in meinem Blog drauf hinweisen: http://www.modellflughafen.blogspot.de Schöne Grüße aus Berlin Jörg