Checkflug absolviert- Meine ersten 100 Flugstunden auf dem Airbus

Checkflug absolviert- Meine ersten 100 Flugstunden auf dem Airbus
23/07/2017 pilotpatrick
my first 100 flight hours on the airbus A300

Hallo mein Aviator, nach einem ausgiebigen Flugtraining auf dem Boden und in der Luft, habe ich meinen ersten „Line Check“ auf der A300 erfolgreich absolviert. Vielen Dank für das Daumen drücken! Der Kontrollflug verlief unproblematisch und ich habe ihn mit bravour bestanden. In diesem Artikel über Luftfahrt werde ich von meinen Erfahrungen der ersten 100 Flugstunden auf dem Airbus berichten und erklären wie das Verfahren für eine neue Flugzeug- Musterberechtigung aussieht.

my reasons why I became a pilot

Erster Schritt: Musterberechtigung (Type Rating)

Mit meiner CPL(A) Lizenz darf ich grundsätzlich alle Flugzeugtypen fliegen, solange ich eine spezielle Schulung auf dem konkreten Flugzeug absolviere. Diese Schulung wird auch Musterberechtigung (Type Rating) genannt, findet in einem sogenannten „Full Flight Simulator“ statt und kostet ca. 60.000€. Meine erste Musterberechtigung habe ich 2010 auf der Citation XLS absolviert. Damals musste ich ungefähr 20.000€ für die Schulung investieren, um als Erster Offizier auf dem Privatjet starten zu können.

Anfang diesen Jahres wechselte ich meinen Arbeitgeber. Ich musste mich einer umfangreichen Schulung unterziehen, um eine Lizenz für den Airbus A300 zu erhalten. Dieses Mal zahlte mein Arbeitgeber für die Kosten der Schulung bei der Lufthansa Aviation Training. In einem meiner früheren Artikel habe ich im Detail beschrieben, wie diese Schulung aufgebaut ist. (Derzeit nur auf englisch)

first 100 flight hours on the airbus

Simulator in Berlin bei der Lufthansa Aviation Training

Starts und Landungen

Nach Abschluss der Musterberechtigung im Simulator musste ich neun Starts und Landungen mit dem Flugzeug absolvieren. Um wirtschaftlich zu sein sollte ich auf der Bahn landen, das Flugzeug neu konfigurieren (Landeklappen sowie Trimmung) und ohne zu halten direkt wieder durchstarten. Für gewöhnlich wird dieses Training unter Sicht in einer Platzrunde geflogen. Bedauerlicherweise war das Wetter an diesem Tag so schlecht, sodass wir gezwungen waren blind nach Instrumenten zu fliegen.

first 100 flight hours an the airbus

Erste Landung während des „Base Training“ auf der A300

Im Simulator zu sitzen fühlt sich beinahe real an, aber zum ersten Mal in der echten Maschine zu fliegen war ein überwältigendes Gefühl. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich lediglich Flugzeuge mit einem maximalen Startgewicht von 10 Tonnen geflogen. Jetzt fliege ich Maschinen mit 170 Tonnen Startgewicht. Bei meinem ersten Start bekam ich Gänsehaut. Die Hälfte meiner Landungen an diesem Tag waren gut, über die andere Hälfte wollen wir lieber nicht sprechen. 😉

Übung macht den Meister!

Diese Landungen sind vom Luftfahrt- Bundesamt (LBA) vorgeschrieben und müssen absolviert werden, bevor man kommerziell mit Passagieren an Board fliegen darf. Während meiner Zeit als Flugschüler in Zadar hatte ich die Möglichkeit während eines Base Trainings an Board einer Lufthansa Maschine zu sein. Während eines Anflugs durfte ich sogar im Cockpit sitzen. Dies war definitiv eines meiner Höhepunkte der Pilotenausbildung. Ich erinnere mich, dass die Landung eines Flugschüler so hart war, dass die ein Teil der Kabinenverkleidung herabfiel.

pilot flight training lufthansa

Zadar 2008 als Flugschüler

Flüge als beobachter

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Musterberechtigung sowie der Starts und Landungen wurde der Antrag zur Ausstellung einer neuen Lizenz zum LBA geschickt. Um diese Zeit zu überbrücken wurde ich als Beobachter auf vier Flüge geschickt. Zusätzlich zur regulären Cockpit Besatzung saß ich auf dem „Observer“ Sitz. Der Gedanke dahinter ist, dass man vorab schon mal einen Einblick ins Arbeitsleben und die Vorgehensweisen des Linienflugs bekommt. Es hatte zwar spaß gemacht den Kollegen bei der Arbeit zuzusehen, aber ich wollte so schnell wie möglich wieder selbst ans „Steuer“.

first 100 flight hours on the Airbus

Anzeigen Lichttest während der Flugvorbereitungen

Linien Training

Es dauerte um die sieben Arbeitstage bis ich meine neue Lizenz erhielt. Die Wartezeit hatte ich nicht nur mit den Beobachter- Flügen überbrückt, sondern auch mit einem Urlaub in der wunderschönen Karibik. Dies war der Perfekte Ort um dem Winter zu entfliehen und eine kurze Auszeit zu nehmen.

Mein erster Flug war am 01. März. Zunächst ging es nach Vitoria und anschließend nach Sevilla in Spanien. Die nächsten 80 Flüge fanden unter einer sogenannten Supervision statt. Dies bedeutet, dass ich nur mit speziell ausgebildeten Kapitänen fliegen durfte. Zusätzlich fanden die ersten acht Flüge mit einem weiteren Ersten Offizier statt, der mich bei meinen Aufgaben unterstütze.

Du fliegst das Flugzeug und nicht das Flugzeug Dich!

Im Flugsimulator zu trainieren ist eine Sache, aber im echten Flugzeug zu fliegen ist eine komplett andere Welt. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit den vielfältigen Aufgaben vor dem Flug zuerecht zu kommen. Aber von Flug zu Flug wurde ich immer vertrauter mit der Flugvorbereitung im Cockpit und mit dem händling der Maschine.

Mein erster Anflug auf Sevilla fühlte sich an als ob ich mit Überschall fliegen würden. Alles ging so schnell. Obwohl ich bereits über 2000 Flugstunden hatte, fühlte es sich so an, als ob man zum ersten Mal fliegen würde. Selbstverständlich tat ich mein bestes das neu erlernte Wissen und die Fähigkeiten anwenden.

first 100 flight hours on the airbus
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Erste Übernachtung in Sevilla

Supervision

Die Musterberechtigung im Simulator war lediglich der erste Schritt, sich das Wissen und die Fertigkeiten zum Fliegen der A300 anzueignen. In der sogenannten Supervision Phase, die sich über insgesamt 80 Sektoren/ Flüge erstreckte, ging das Training auf der echten Maschine weiter. Anfangs macht macht man natürlich noch einige Fehler, aber dafür hat man einen Kapitän, der einen korrigiert.

  • Jeder Flug wird ausgewertet und in einer Nachbesprechung resümiert
  • Die Kapitäne teilen ihre Erfahrungen und ihr Wissen über das Flugzeug
  • Verinnerlichung von Verfahren und Abläufen
  • Unterredungen über die Flugzeugsysteme, Prozeduren und Regularien
  • Anwendung der elektronischen Anflugkarten und Boardbücher
  • Automatische Landungen unter guten Sichtbedingungen zu Schulungszwecken

Das „Linien Training“ endete mit der ersten von jährlich stattfindenden Überprüfungsflügen. Ich musste beweisen, dass ich in der Lage bin, das Flugzeug gemäß der Handbücher und der firmeneigenen Standardverfahren zu bedienen. Der Checkflug bestand aus zwei Teilen. Auf einem Flug muss man seine Fähigkeiten als aktiv fliegender Pilot beweisen und auf einem weiteren als nicht fliegender Pilot. Ab sofort bin ich berechtigt ohne Einschränkungen im Linienflug zu operieren. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich nun ausgelernt habe. Es gibt selbst nach Jahren noch Dinge über einen Flieger zu lernen, die man vorher nicht kannte.

checks completed - my first 100 flight hours on the Airbus

Beurteilungsbogen meines Checkflugs

Meine ersten 100 Flugstunden auf dem Airbus

Der Airbus ist im Vergleich zur Citation XLS um einiges Anspruchsvoller in der Bedienung. Dies liegt nicht nur an den komplexeren Systemen, sondern auch an dem sensibleren Steuerhorn. Selbst minimalste bewegungen am Steuerhorn haben eine großen Effekt auf die Steuerflächen des Flugzeugs. Der A300- 600 ist mit äußerst leistungsstarken Triebwerken der Firma Pratt and Whitney ausgestattet. Diese befinden sich unterhalb der Tragflächen und bewirken einen großen Neigungsmoment bei Veränderung des Schubes. Dies hat zur Floge, dass der Pilot diesen über das Steuerhorn ausgleichen muss. Hinzu kommt, dass der besondere Aufbau des Fahrwerks eine sanfte Landung der Maschine zusätzlich erschwert.

Im Vergleich zu den 1800 Flugstunden auf der Citation XLS habe ich in den ersten 100 Stunden auf der A300 schon sehr viel erlebt:

  • Gewitter mit einem Blitzeinschlag direkt an meiner Cockpit Frontscheibe
  • Meine erste Seitenwind Landung mit einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h, dies ließ sich einfacher zu händeln als auf der kleinen Citation
  • Harte Landung nach Windscherungen im Anflug und Böen bei der Landung. Dadurch war das linke Hauptfahrwerk zuerst aufgekommen. Es gab glücklicherweise keine Beschädigungen
  • St. Elmo’s fire an der Cockpitscheibe durch eine statisch geladene Atmosphäre

Ich freue mich auf weitere spannende Flüge und Herausforderungen auf dem Airbus.

checks completed - my first 100 flight hours on the Airbus

St. Elmo´s Feuer auf der Cockpitscheibe

Warst Du schon mal ein Board eines Fluges, der nicht reibungslos ablief? Z.B. bedingt durch schlechtes Wetter oder einen besonderen Vorfall?! Bitte teile mir Deine Geschichte unten im Kommentarfeld mit!

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Dein Pilot Patrick

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